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Rezension von Dr. med. Berndt Rieger, Bamberg, Facharzt für Innere Medizin, Autor mehrerer Bücher über Schüssler-Salze und Homöopathie. 12/2004

Über:Annette Kerckhoff, Markus Wiesenauer : "Homöopathie für die Seele" &
Selma Grönbeck: "Mit Homöopathie die Seele heilen"

Zwei Bücher für die Seele
Gerade in unserer seelenlosen Zeit kann es nicht verwundern, dass
Seelen-Beraterbücher boomen. So verkauft sich derzeit sehr erfolgreich
"Homöopathie für die Seele" von Markus Wiesenauer, erschienen im Verlag
Gräfe und Unzer. Nun hat der Haug-Verlag, der sich ebenfalls seit
Jahrzehnten in der Naturheilkunde Verdienste erworben hat, mit einem fast
gleichnamigen Buch nachgelegt: "Mit Homöopathie die Seele heilen". Auf den
ersten Blick erscheint das überflüssig. Unter genauerer Betrachtung aber
liegt eine Welt zwischen den beiden Werken. Das erste ist durchaus
brauchbar, das zweite aber weit besser.

Dr. med. Markus Wiesenauer, Autor des ersten Buches, ist ein verdienter
Homöopath, und als Mitglied der Kommission E von Staats wegen auch für die
wissenschaftliche Wertung pflanzlicher Arzneien zuständig. Er hat im Laufe
seines Lebens zahlreiche Bücher vorgelegt, unter anderem das von der

Deutschen Homöopathie Union offiziell unterstützte Schüßler-Salz-Buch "12
Salze, 12 Typen". Sein Buch "Homöopathie für die Seele" aber ist ein
Routinewerk geworden, das die Entwicklungen in der Homöopathie der letzten
30 Jahre im Wesentlichen ausspart. Man findet darin nichts von Georgos
Vithoulkas "Essenzen", Rajan Sankarans "Seele der Heilmittel", Jan
Scholtens Systematik der Elemente oder Phillip Baileys psychologischer
Homöopathie.
Anders ist das beim Buch "Mit Homöopathie die Seele heilen". Die Autorin,
Selma Grönbeck, ist Heilpraktikerin und klassische Homöopathin. Man merkt
ihre solide Kenntnis homöopathischer Arzneien bis ins Detail. Gleichwohl
ist ihr Bild der seelischen Symptome weit differenzierter und klarer
erkennbar und deckt sich auch mit meinen eigenen Erfahrungen in der Praxis.

So findet man gute Beschreibungen der Mittel Aurum metallicum, Ignatia
amara, Natrium chloratum, Staphysagria, Phosphoricum acidum, Pulsatilla
prataensis (bei Scheidung, Trennung, Liebeskummer), Sepia, Nux vomica (bei
Stress und Überforderung), Stramonium, Jodum (bei Zorn und Gewalt), Aconitum
napellus, Arsenicum album, Argentum nitricum, Calcium carbonicum, Gelsemium
(bei Ängsten und Phobien), Silicea, Cimicifuga (bei Depressionen) und Ambra
(bei Trauer).
Frau Grönbeck bietet aber weit mehr. Sie liefert eine Theorie über die
Wirkweise der Homöopathie vor allem im geistig-seelischen Bereich nach, bei
der sie sich auf ihre Familiengeschichte berufen kann. Ihr Urgroßvater,
Professor Dr. med. Gustav Jäger, koppelte gegen Ende des 19. Jahrhunderts
Empfindungen an Gerüche und machte die Seele an Duftstoffen fest, die der
Körper durch Eiweißumbau bildet. Dass man Angst riechen kann, sagt uns das
Sprichwort. Dass sich der Geruch eines Menschen zum Beispiel während des
weiblichen Zyklus ändert, ist eine anerkannte Tatsache. Die Wirkweise
homöopathischer Arzneien macht Selma Grönbeck in ihrem Buch an einer
Beeinflussung dieser Prozesse fest. So wie Duftstoffe nur in winzigen Spuren
vorhanden sein müssen, um wahrgenommen zu werden, reichen auch bei den
Homöopathika minimale, energetisierte Reste. Die Parallele ist interessant.
(Näheres dazu kann man in der Neuauflage des Hauptwerks Gustav Jägers im
Selma Grönbeck Verlag nachlesen, das unter dem Titel "Warum küssen sich die
Menschen?" erschienen ist.) "Mit Homöopathie die Seele heilen" ist ein Ratgeber, der über die
Homöopathie hinaus wertvolle Tipps bei seelischen Krisen liefert. Man
merkt, dass hier eine engagierte Therapeutin schreibt. Darüber hinausgehend
hat Frau Grönbeck einen amüsanten Schreibstil, wodurch die Lektüre an sich
zum Genuss wird.


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